Dass mittlerweile nahezu jede dritte Ehe in Deutschland geschieden wird, ist eine bedauerliche Entwicklung, die aber zwangsläufig hinzunehmen ist. Allerdings sind die persönlichen Folgen einer Ehescheidung nicht nur für die ehemaligen Partner und die Kinder mitunter gravierend; vielmehr kann eine Scheidung auch in finanzieller Hinsicht für viele Menschen ein Absturz sein, wenn z. B. das Einfamilienhaus verkaufen oder sogar ein Kredit aufgenommen werden muss, um die Scheidungskosten, die das Scheidungsverfahren verursacht, bezahlen zu können.

Denn eine Ehescheidung muss grundsätzlich durch einen niedergelassenen Rechtsanwalt beantragt werden. Bei einvernehmlichen Scheidungen, bei denen die Folgesachen Unterhalt und auch die vermögensrechtlichen Auseinandersetzungen im Voraus geklärt werden können, ist es durchaus üblich, dass beide Eheleute einen Rechtsanwalt beauftragen. Das spart Scheidungskosten, ist aber relativ unüblich.

Anwaltssuche

Letztlich können alle niedergelassenen Anwälte ihre Mandanten im Scheidungsverfahren vertreten. Bei der Suche nach einem geeigneten Anwalt sollten aber dennoch solche Juristen beauftragt werden, die sich mit der Materie öfters beschäftigen. So wird in manchen Oberlandesgerichtsbezirken einem Rechtsanwalt der Titel Fachanwalt für Familienrecht verliehen, wenn er eine entsprechend hohe Zahl an Familienverfahren durchgeführt hat und somit auch über gute Erfahrungen auf dem Gebiet verfügt. Von Vorteil ist es aber, dass möglichst vor Beginn des Scheidungsverfahrens alle Dinge geklärt sind, denn das spart letztlich an Scheidungskosten.

steuerlich absetzen

Allerdings können die Ehegatten die Anwalts- und Gerichtskosten für ihr Verfahren vollständig steuerlich absetzen. Nach § 33 EstG sind diese Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen absetzbar. Werden die Fragen nach Unterhalt, Zugewinn und Sorge- bzw. Umgangsrecht erst nach einem Scheidungsverfahrens geklärt, erkennt das Finanzamt diese Scheidungskosten nicht mehr an, da sie nicht zwangsläufig mit dem Scheidungsverfahren im Zusammenhang zu sehen sind. Wohl aber können auch die Scheidungskosten für ein Mediationsverfahren abgesetzt werden, sollte es im Anschluss daran zu einer Scheidung kommen.

Allerdings können auch nur die Kosten abgesetzt werden, die der entsprechende Ehegatte auch selbst bezahlt hat. Denn wie in den Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit werden auch die Kosten eines Scheidungsverfahrens gegeneinander aufgehoben, d. h. jeder Ehegatte zahlt die Scheidungskosten für seinen Anwalt selbst und die Gerichtskosten werden geteilt.